Biodiversitätsdemonstration einer 3° Temperaturerhöhung für den Dachgarten der Bundeskunsthalle Bonn
Das vielfältige Pflanzenprojekt ist eine Initiative von La fabrique Terrestre, Paris und wurde von Christina Ottaviano- Boury speziell für das Dach der Bundeskunsthalle entwickelt. Ausgangspunkt war die Frage, wie sich Flora und Fauna unter den Bedingungen eines klimabedingten Temperaturanstiegs verändern könnten.
Veranschaulicht wird die Vielfalt und Widerstandsfähigkeit einheimischer Pflanzen- und Grasarten unter den Bedingungen eines potenziellen Temperaturanstiegs von 3 °C. Das Ziel ist es, Besucher*innen praktische Anregungen zu geben, wie Biodiversität im eigenen Garten gefördert werden kann – zum Beispiel durch Pflanzen- und Graslandschaften, die sowohl an saure als auch an alkalische Böden angepasst sind.
Auch lokale klimatische Gegebenheiten wie Wind, Trockenheit oder intensive Sonneneinstrahlung könnten künftig gezielt genutzt werden, um das Wachstum sowie die Nachhaltigkeit vielfältiger Pflanzenkulturen zu unterstützen. Die Pflanzenauswahl orientiert sich an charakteristischen Arten aus Nordrhein-Westfalen, insbesondere aus dem Naturpark Siebengebirge und dem Nationalpark Eifel.
Im Kern betont das Projekt die Bedeutung von Artenvielfalt – selbst auf kleinster Fläche. Durch die Nachbildung offener Vegetationslandschaften rückt die Installation dürreresistente und hitzeangepasste Pflanzenarten in den Fokus und unterstreicht ihre Relevanz für die Anpassung an den Klimawandel. Darüber hinaus zeigt die Installation Wege auf, wie hitzetolerante Pflanzen langfristig in verschiedenste Kontexte integriert werden können. Sie lädt dazu ein, die Rolle von Pflanzen in unterschiedlichen Landschaftstypen neu zu denken – insbesondere im Hinblick auf angepasste und differenzierte Formen der Bewirtschaftung.
Dieser Ansatz regt zu einem Umdenken in der Pflege städtischer Grünflächen an – insbesondere bei der Gestaltung von Rasenflächen – und plädiert für einen bewussten, selektiven Umgang mit Vegetation im urbanen Raum.
Angesichts zunehmend heißer Sommer, längerer Trockenperioden und milder, feuchter Winter sollten auch Strategien der Landschaftspflege entsprechend angepasst werden. Zu den zentralen Maßnahmen zählen das Belassen höherer Rasenhöhen sowie der Verzicht auf Bewässerung – oder deren Einsatz nur in extremen Trockenphasen.
Durch Methoden wie reduziertes und differenziertes Mähen werden bestimmte Bereiche städtischer Rasenflächen seltener oder erst später in der Saison gemäht. So erhalten Pflanzen die Chance, ihren natürlichen Wachstumszyklus zu vollenden. Wildkräuter können sich ungehindert entfalten, Samen bilden und sich ausbreiten. Das Ergebnis ist eine artenreiche, sich selbst regenerierende Pflanzengemeinschaft, die zur ökologischen Vielfalt beiträgt und den Rasen langfristig auf natürliche Weise bereichert.
Die Auswahl der (pflegeleichten) Arten wurde durch den fachkundigen Rat von Dr. Maximilian Weigend, Direktor des Botanischen Gartens der Universität Bonn geleitet. Wir danken auch Tanja Schendel von der Biologischen Station Bonn für ihre freundliche Unterstützung und Beratung.
1 Agrimonia eupatoria, Common agrimony, field agrimony, field flower or small agrimony
2 Anthericum liliago, St Bernard’s lily
3 Aster amellus, Michaelmas daisy
4 Bupleurum falcatum, Sickle-leaved hare’s ear
5 Centaurea scabiosa, Greater knapweed
6 Origanum vulgare, Oregano
7 Prunella grandiflora, Large-flowered selfheal
8 Salvia pratensis, Meadow sage
9 Petrosedum rupestre, Sedum reflexum, Blue stonecrop
10 Thymus pulegioides, Broad-leaved thyme
11 Achillea millefolium, Common yarrow
12 Echium vulgare, Viper’s bugloss or Blueweed
13 Linaria vulgaris, Yellow toadflax
14 Veronica officinalis, Heath speedwell or Paul’s betony